Heute haben wir auf der Gedenkkundgebung an den 8. Mai 1945 am Mombacher Waldfriedhof teilgenommen. Ein Genosse hielt beim Abschluss noch eine kurze Rede, die wir hiermit veröffentlichen:

„Heute vor 75 Jahren, also am 8. Mai 1945, wurde der deutsche Faschismus besiegt. Mit dem Sieg über den Faschismus endete die Herrschaft der Nazis, die 12 Jahre lang Millionen von Menschen ermordetet hatten. Heute gedenken wir diesen Menschen. Wir gedenken aber auch den Menschen die beim Versuch den Faschismus zu beenden, ihr Leben verloren haben.

Es ist ein Skandal, dass der 8. Mai nach 75 Jahren immer noch kein Feier- und Gedenktag ist! Wir, als linksjugend [’solid] Mainz unterstützen daher die Petition des VVN BdA vollkommen, die mittlerweile auch von einer Reihe von anderen Gruppen und Politikern unterstützt wird.

Doch beim Gedenken und Feieren hört es nicht auf. Der 8. Mai sollte auch als Anlass genommen werden, den Kampf gegen den Faschismus, Rassismus und alle anderen Formen der Ausgrenzung weiter zu führen! Denn auch wenn vor 75 Jahren der Faschismus besiegt wurde, ist der Kampf gegen Ausgrenzung und Diskriminierung lange nicht vorbei! Der Anschlag in Hanau, Anfang des Jahres hat dies auf nur allzu schreckliche Art und Weise gezeigt.

Während des zweiten Weltkrieges und auch schon im ersten, wurde immer wieder versprochen, dass dies jetzt der Krieg wäre, der alle Kriege beenden soll. Dass dies falsch war, ist denke ich offensichtlich. Auch nach 1945 fanden weiterhin Kriege statt, es wurden imperialistische Interessen verfolgt und es wurden weiterhin Minderheiten verfolgt. In der BRD gab es nie ein Stunde Null!

Der Grund dafür ist einfach, auch wenn am 8. Mai 1945 der Faschismus besiegt wurde, wurde es der Kapitalismus nicht. Es gibt aber, wie Malcolm X schon sagte, keinen Kapitalismus ohne Rassimus. Es ist kein Zufall, dass in Talkshows und in den Medien die Arbeiter*innen von Seiten der bürgerlichen Parteien gegen einander aufgehetzt werden. Uns wird erzählt, dass Geflüchtete unsere Renten gefährden und die Löhne drücken würden. Ganze Belegschaften werden gespalteten!

Auch heute werden sich wieder die Reden der Politiker von CDU bis Grüne häufen, die dazu aufrufen, aktiv zu werden, gegen Rassismus und Ausgrenzung. Morgen werden es aber genau diese Politiker*innen sein, die faschistische Strukturen in der Polizei und im Militär ignorieren, Menschen auf der Flucht ertrinken lassen und weiter Sozialabbau betreiben werden!

Der diesjährige 8. Mai ist wohl nicht nur wegen dem Jubiläum ein besonderer. Er findet auch in Zeiten einer der wohl schlimmsten Krisen des globalen Kapitalismus statt. Gerade deshalb ist es um so wichtiger, dass wir den 8. Mai als Anlass nehmen zu kämpfen und nicht nur zum Gedenken und Feiern. Denn schon jetzt ist die Zahl von antisemitischen und rassistischen Straftaten gestiegen! Für ein besseres Leben, ohne Krieg, Armut und Diskriminierung müssen wir aber zusammen stehen, als Arbeiter*innen, Studierende, Schüler*innen und dem Kapitalismus und den damit verbundenen Rassismus und Faschismus ein Ende bereiten!

Gedenken wir dem 8. Mai nicht mit stillen Andacht, sondern mit dem fortführen des Kampfes, denn die Menschen vor 75 Jahren schon führten!

Beenden möchte ich mit einem Gedicht von Bertolt Brecht:

„An die Kämpfer in den Konzentrationslagern“

Kaum Erreichbare ihr,
In den Lagern begraben,
Abgeschnitten von jedem menschlichen Wort.
Und ausgeliefert diesen Mißhandlungen.
Niedergeknüppelte aber nicht Widerlegte,
Oh ihr Verschwundenen aber
nicht Vergessenen.

Hören wir wenig von Euch, so hören wir doch:
Ihr seid unverbesserbar,
Ihr seid unabbringbar unserer Sache ergeben,
Unabbringbar davon: Daß es in Deutschland
Immer noch zweierlei Menschen gibt:
Ausbeuter und Ausgebeutete,
Und daß nur der Klassenkampf
Die Menschenmassen der Städte und des
Lands aus ihrem Elend befreien kann.
Und auch nicht durch Martern seid ihr
Abzubringen von unsrer guten Sache.

Also seid ihr
Verschwunden aber
Nicht vergessen,
Niedergeknüppelt aber
Nicht widerlegt.
Mit allen unaufhaltsam Weiterkämpfenden,
Die wahren Führer Deutschlands.‎

Lang Lebe der Antifaschismus! Lang lebe der 8. Mai!
Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus“

Gedenkstein der VVN-BdA an die Opfer des Faschismus mit der Inschrift: „Zum Gedenken an die unsterblichen Opfer des Faschismus 1933 – 1945“

Weitere Infos zu der bewegten Geschichte des Gedenksteins: http://www.widerstand-portrait.de/portraits/gedenkstein-fuer-die-opfer-des-deutschen-faschismus.html

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