Am 28. März wäre ich auf die Straße gegangen, weil die herrschende Wohnungsnot dazu bewegt, die erstbeste Wohnung zu nehmen, selbst wenn der Wohnungszustand ein schlechter ist.

2017 bin ich aus meinem Elternhaus in eine WG gezogen, um näher an meiner Ausbildungsstätte zu wohnen und den täglichen Fahrtweg von insgesamt drei Stunden zu verkürzen.
Bereits auf den Plattformen für WG Zimmer wurde deutlich, dass das Wohnungsangebot gering, das Preis – Leistungsverhältnis eher schlecht, was bedeutet, dass vor allem für die Lage und nicht für den Wohnungszustand bezahlt wird und dass die Bewerbungsverfahren mit zeitintensiven und nervenaufreibenden WG-Castings verbunden sind.
Meine Wahl fiel damals auf ein Zimmer, welches sich vor allem durch pragmatische Vorzüge auszeichnete wie Lage, Preis, Größe und Anbindung. Die Mitbewohner waren dabei eher zweitrangig.
Der Grund für den Wohnungswechsel betraf schlussendlich die Mitbewohner.
Die Suche nach der nächsten Wohnung musste schnell passieren, da ein Umzug innerhalb der Ausbildung vom zeitlichen Aufwand her eher schwierig zu gestalten ist.
Die Prioritäten bei der Wahl der Wohnung lagen dieses Mal vor allem bei den Mitbewohnern, dem Wohnungspreis und der Lage.
Somit entschied ich mich für ein Zimmer, welches genauso so viel kostete wie mein erstes WG-Zimmer, dabei allerdings halb so groß war. Über den Wohnungszustand sah ich dabei hinweg, da ich erleichtert war, einen scheinbaren Glücksgriff in Mainz gemacht zu haben.
Was mir zu diesem Zeitpunkt nicht klar war und sich erst in den folgenden Jahren des Bewohnens der Wohnung herausstellte, war die Tatsache, dass der desolate Zustand des Badezimmers (Schimmelbefall) sowie die schlechten Durchlüftungsmöglichkeiten in der Wohnung zu einer massiven Verschlechterung meines Gesundheitszustandes führten.
Optimalerweise wäre als Alternative eine gut sanierte Einzimmerwohnung. Diese würde allerdings 60-70% meiner aktuellen Einnahmen als Studentin auffressen (Bafög und Kindergeld) und wäre somit finanziell nicht tragbar.
Damit stehe ich vor einer erneuten Suche nach einem WG Zimmer.

Ich bin mir sicher, dass es einer Vielzahl an Studierenden und Auszubildenden ähnlich geht.
Daher setzen wir uns für Folgendes ein:
Wohnheimplätze für Studierende und Auszubildende, die teilweise weniger als 1000€ im Monat zur Verfügung haben, müssen ausgebaut werden, um ihnen die Möglichkeit zu geben auch bei geringem Verdienst ein selbsständiges Leben starten zu können.
Leerstehende Büroräume, wovon es in Mainz zu Genüge gibt, müssen enteignet, in Gemeineigentum überführt und als Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.
Wir brauchen ein staatlich finanziertes Sanierungsprogramm ohne weitere Mietpreiserhöhungen, um den Bewohner*innen ein gesundes Umfeld zu bieten.
Es müssen endlich Prioritäten bei den Menschen gesetzt werden, die bezahlbaren Wohnraum benötigen, um sich ein Leben aufzubauen, anstatt weiter Luxusappartements am Zollhafen auszubauen, die lediglich prestigeträchtig sind.

Kommentar verfassen