In Mainz streikten am 24. Mai wieder tausende Schüler*innen für einen konsequenten Klimaschutz. Diesmal fanden die Fridays for Future Proteste erneut bundesweit statt. Unter den Vorzeichen der Europawahlen gingen 320.000 junge Menschen auf die Straße. Gemeinsame Streiktage und eine überregionale Mobilisierung stärken die Bewegung.

In Mainz ging es um 10 Uhr los. Es versammelten sich etwa 1000-1500 Menschen (manche Schätzungen sprechen von 2500) auf dem Bahnhofsvorplatz. Hier sprachen Vertreter*innen der Bewegung, der Grünen Jugend und ein Kollege der IG Metall. Obwohl viele der Reden auf einem moralischen Level blieben, erklärte der Kollege der IG Metall, was Gewerkschaften sind und das auch sie immer wieder für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen streiken. Zum Schluss erklärte er, dass ein konsequenter Klimaschutz nur gemeinsam zu erreichen sei und sprach seine Solidarität mit der Bewegung aus. Wir, als linksjugend [solid] Mainz, begrüßen es, dass ein Vertreter der Gewerkschaften auf der Demo sprach, da eine schlagkräftige Bewegung nur gemeinsam mit den Gewerkschaften aufgebaut werden kann. Wenn sich die Streiks auf die Betriebe ausweiten, ist es möglich, den Druck auf die Wirtschaft und die großen Konzerne aufzubauen.

Vom Bahnhofsvorplatz ging es dann über das RaMa Gymnasium zum Frauenlob Gymnasium. Hier hielt ein Genosse von der linksjugend [’solid] Bad Kreuznach und SDAJ eine Rede, in der er erklärte, warum ein konsequenter Klimaschutz nur gegen die Interessen der großen Banken und Konzerne geführt werden kann. Aus unserer Sicht stellte er gut dar, dass es zwar sehr löblich ist, auf seinen individuellen Konsum zu achten, dass dieser allein aber keinen großen Einfluss auf den Klimawandel hat. Kurz bevor er aber seine Rede beenden konnte, wurde ihm von Vertreter*innen des Organisationsteams, das Mikrofon entrissen. Daraufhin gingen einige unserer Genoss*innen, sowie einige andere Teilnehmende der Demo zum Organisationsteam und stellten dies zur Rede. Wir erklärten ihnen, dass es völlig undemokratisch ist, Leuten das Rederecht zu entziehen, sofern diese keine rassistischen Parolen verbreiten. Der Genosse hatte schließlich an keiner Stelle in irgendeiner Weise etwas diskriminierendes gesagt. Daraufhin behaupteten einige Vertreter*innen, dass der Genosse mit seiner Rede indirekt sich für den Sozialismus ausgesprochen hätte, was sich gegen die parlamentarische Demokratie richten würde und verwiesen auf einen Beschluss, der auf dem letzten Plenum abgestimmt wurde. In diesem Beschluss hieß es, dass „Fridays for Future“ sich erlaubt, jedem das Rederecht zu entziehen, der sich gegen die „freiheitlich demokratische Grundordnung“ ausspricht. Woraufhin einige, die das Orgateam zur Rede gestellt haben, zurecht darauf hinwiesen, dass der Genosse lediglich die Verstaatlichung der Energiekonzerne gefordert hatte und dies mit dem Grundgesetz vereinbar ist und das nirgendswo überhaupt klar erklärt ist, was mit der „freiheitlich demokratischen Grundordnung“ überhaupt gemeint ist.

Auf der nächsten Zwischenkundgebung erklärten dann zwei Vertreter*innen des Orga-Teams über das Mikrofon, dass sie einen Fehler begangen hatten, dem Genossen das Rederecht zu entziehen und entschuldigten sich dafür. Sie forderten auch den Genossen auf, nochmal zur Bühne zu kommen, um seine Rede zu beenden, dieser befand sich aber zu dem Zeitpunkt leider nicht mehr auf der Demo.

Unserer Meinung nach war der Beschluss, das Rederecht einzuschränken, von Anfang an falsch. Zur Redefreiheit gehört nun mal auch, dass man alles kritisieren darf, auch den Kapitalismus und die bürgerliche Demokratie. Reden sollten unserer Meinung nach nur im Notfall unterbrochen werden, wenn beispielsweise Menschen rassistische oder diskriminierende Äußerungen tätigen. Einen Beschluss der dies verhindern soll gibt es unseres Wissens nach auch schon. Wie sollte sonst eine konstruktive, breite Debatte geführt werden? Daher fordern wir das Orgateam auf, den Beschluss über die Einschränkung des Rederechts zurückzuziehen. Des weiteren fordern wir jeden, der an einer demokratischen Bewegung interessiert ist, auf, auf das nächste Plenum von „Fridays for Future“ zu gehen, damit darüber diskutiert werden kann, wie in Zukunft eine uneingeschränkte Redefreiheit garantiert werden kann.

Außerdem hörte man auf den Demonstrationen immer wieder die Parole „System change not climate change“. Die aktuelle Klimakrise macht eine Debatte über einen Systemwechsel unvermeidbar. Wir sind uns sicher, dass dieses Problem im Kapitalismus nicht gelöst werden kann und denken, dass es gerade deshalb wichtig war, dass eine Rede auch genau dies ansprach. Das gerade bei dieser Rede mit solch undemokratischen und bürokratischen Mitteln vorgegangen wurde, bedauern wir sehr.

Insgesamt schätzen wir aber die Demonstration als einen Erfolg ein. Wir konnten viele Flyer unter den streikenden Schüler*innen verteilen und zahlreiche Diskussionen führen. Es zeigte sich wiedermal, dass das Thema Klimaschutz durchaus in der Lage ist, viele Menschen zu mobilisieren. Die stagnierende Teilnehmer*innenzahl bei vorherigen Demonstrationen zeigt aber auch, dass eine schlagkräftige Bewegung nur aufgebaut werden kann, wenn gleichzeitig basisdemokratische Strukturen aufgebaut werden können, in denen Debatten geführt werden können und Schüler*innen die Möglichkeit haben, sich zu organisieren und zu vernetzen. Außerdem braucht es ein klares Programm, welches Forderungen und Alternativen zur herrschenden Politik formuliert.

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