Warum brauchen wir einen sozialistischen Feminismus?
Tagtäglich wird uns erzählt, Frauen wären gleichberechtigt. Wirklich?

wenn Politiker von Frauenrechten sprechen…

Die etablierten Politiker*innen sind diejenigen, die Gelder für Frauenhäuser streichen oder Stellen im öffentlichen Dienst kürzen, wovon zum großen Teil Frauen betroffen sind. Die bürgerlichen Medien nutzen sexistische Werbung, um ihre Profite zu steigern, und propagieren unerreichbare Schönheitsideale. Von Zeit zu Zeit haben sie aber auch den „Feminismus“ für sich entdeckt, gerade wenn es gegen den Islam oder Geflüchtete geht. Auf der einen Seite verkaufen sie sich, als ob sie sich für Frauenrechte einsetzen würden. Auf der anderen Seite kürzen sie immer wieder Sozialleistungen wie Kinderbetreuungsangebote. Hartz IV ist viel zu niedrig und sie erzählen uns, dass Frauen ja selbst schuld sind, wenn sie sich zu „freizügig“ anziehen und sexuell belästigt werden.

Gleichbehandlung noch lange nicht erreicht

Die Heuchelei der Regierung und der Medien und die Lüge über die Fortschrittlichkeit Deutschlands in Frage Frauenrechte müssen wir entlarven!

Es ist ein Mythos, dass Frauen heute in Deutschland durch Gleichstellungsgesetze im Grundgesetz befreit sind. Die Realität einer doppelten Unterdrückung beweist uns täglich das Gegenteil: Nicht nur, dass Frauen noch immer niedrigere Löhne erhalten, sie sind zudem weiterhin festen gesellschaftlichen Rollenbildern ausgesetzt, die sie an Heim und Herd ketten. Doch dabei bleibt es nicht. Wir brauchen einen echten Feminismus, weil:

  • Weltweit werden 2/3 der anstehenden Arbeiten von Frauen verrichtet (davon sind 70% unbezahlte Arbeit). Frauen erhalten aber nur 10% des weltweiten Einkommens und besitzen nur 1% des weltweiten Eigentums.
  • Jährlich werden in Deutschland ca. 8000 Vergewaltigungen von Frauen angezeigt.
  • Nur ca. 8% der Frauen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, zeigen diese bei der Polizei an.
  • Von den angezeigten Vergewaltigungen enden nur 13% mit einer Verurteilung des Täters.
  • Häusliche Gewalt ist in Deutschland die am häufigsten ausgeübte Form von Gewalt. Jede vierte Frau erlebt in ihrer Paarbeziehung mindestens einmal körperliche oder sexualisierte Gewalt oder beides.
  • Fast die Hälfte von Alleinerziehenden ist von Hartz IV abhängig. Jede zehnte erwerbstätige Frau muss aufstocken.
  • Jedes vierte Mädchen in Deutschland zwischen 11 und 17 Jahren leidet unter Essstörung. Knapp die Hälfte der Mädchen fühlen sich zu dick, obwohl sie normal-gewichtig sind.
  • Die Sexindustrie in Deutschland hat einen geschätzten Umsatz von
    14,6 Milliarden Euro.

Ware Frau

Der weibliche Körper wird im Kapitalismus als leicht zu verkaufende Ware betrachtet. Junge Frauen sehen sich mit einer Erwartung konfrontiert, die sie nicht erfüllen können: unnatürlich schlank, reine, porenfreie Haut, „makellos“, leicht bekleidet – so sehen Frauen in der Werbung und im Fernsehen aus.

Die Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen hat weltweit viele Gesichter: wirtschaftliche oder familiäre Abhängigkeit, Gewalt gegen Frauen, Schlankheitswahn. Auch der Verkauf des weiblichen Körpers in Pornoindustrie und Prostitution hat an Ausmaß und Grausamkeit zugenommen. Prostitution ist Zwang – das sieht man auch daran, wie rapide sie in Krisenzeiten anwächst. In Griechenland stieg in den Jahren 2013-2015 die Anzahl an Frauen, die sich prostituieren um 150%. Der Preis für eine halbe Stunde Sex liegt aktuell wieder bei 15€, manche Frauen verkaufen ihren Körper aber immer noch für den Preis eines Sandwiches, um etwas zu essen zu haben. Doch auch sonst ist das Leben für die Betroffenen hart. 50% aller Prostituierten wurde bereits einmal während der Ausübung ihrer Tätigkeit vergewaltigt, 50% davon öfter als fünfmal. Prostitution ist keine Arbeit wie jede andere und muss unter Schutz der betroffenen Frauen überwunden werden.

Auf in den Kampf! – Der sozialistische Feminismus

Gesellschaftliche Gleichbehandlung geht nicht zwangsläufig mit gesetzlicher Gleichberechtigung einher. Echte Befreiung bedeutet auch gleiche Löhne und bessere Sozialleistungen. Nur wenn Frauen wirtschaftlich unabhängig sind, können sie über sich selbst bestimmen.

Kleine „Geschenke“ der Politik, die Frauen einen kleinen Teil des gesellschaftlichen Reichtums abgeben, sind an besser gestellte Frauen gerichtet, wie z.B. die Frauenquote. Diese sichert, dass in Aufsichtsräten von einigen wenigen Konzernen eine bestimmte Anzahl von Plätzen, nur von Frauen besetzt werden können. Dabei handelt es sich um weniger als 100 Plätze deutschlandweit.

Diese Politik geht an den Problemen der meisten Frauen vorbei und ändert kaum etwas an der gesellschaftlichen Situation.

Unser Feminismus setzt an unseren wirklichen Problemen an. Wir wollen Verbesserung im Hier und Jetzt! Deswegen fordern wir:

  • Gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit! Lohnerhöhung in Frauen-dominierten Berufen!
  • Aufwertung von sozialen Berufen in Form von höherem Lohn! Schluss mit Kürzungen im öffentlichen Dienst!
  • Besseres Angebot von gut organisierten und ausgestatteten Frauenhäusern, Beratungsstellen und Notrufen!
  • Ermäßigter Mehrwertsteuersatz für Hygieneartikel und Preissenkungen für teurere „weibliche“ Produkte! Verhütung bezahlt von der Krankenkasse!
  • Abschaffung der Werbeverbote für Abtreibungen und her mit neutraler Beratung! Weg mit §219StGB und §219aStGB!
  • Kostenlose ganztägige Kinderbetreuung! Ausbau von Angeboten und Investitionen im Erziehungsbereich!
  • Verstärkung des Mutter- und Vaterschaftsschutzes im Beruf!
  • Vergesellschaftung der Hausarbeit! Für flächendeckende und gut ausgestattete Kitas und Pflegeeinrichtungen! Für günstige Restaurants und öffentliche Wäschereien! Kantinen kostenfrei!
  • Akzeptanz von allen Sexualitäten und Lebensstilen!
  • Unser Feminismus ist international – Bleiberecht für Alle!

 

Gegen jede Spaltung – Für den Sozialismus!

Wir kämpfen für jede Verbesserung im Hier und Heute. Aber es bleibt eine Illusion, zu glauben, die Frau könne in diesem bestehenden System ihre Befreiung finden. Frauen werden sich erst in einer Gesellschaft von ihren Fesseln befreien, in der einem nicht von Geburt an ein Rollenbild auferlegt wird. Befreiung kann es erst geben, wenn die Klassengesellschaft mit männlicher Vormachtstellung beseitigt ist.

Im kapitalistischen System, orientiert sich die Wirtschaft nicht an den Bedürfnissen der Menschen, sondern an der Profitgier von Wenigen. Dies macht die vollständige Befreiung der Frau unmöglich Sexistische Vorurteile sorgen für die Legitimation von geringeren Löhnen. Sexistische Werbung steigert den Profit. Kapitalist*innen haben keinen Grund daran etwas zu ändern. Die Kapitalist*innen profitieren von der Unterdrückung von Frauen schließlich auch deswegen, weil Frauen einen großen Teil der Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit unbezahlt verrichten. Erst, wenn es kein Privateigentum mehr gibt, kann auch diese Arbeit gesellschaftlich organisiert werden und lastet nicht mehr individuell auf weiblichen Schultern.

Keine Befreiung der Frau ohne Sozialismus, keinen Sozialismus ohne Befreiung der Frau! Der Kampf für soziale Gerechtigkeit wird uns nicht abgenommen. Wir, die Arbeiter*innenklasse, müssen selbst für unsere Befreiung auf die Straße gehen! Menschen unabhängig ihres Geschlechts, Alters, ihrer Herkunft und Religion müssen gemeinsam gegen ihre Unterdrückung kämpfen. Wir lassen uns nicht spalten, von einem System, von dem wir nichts haben! Kampf dem Sexismus, dem Rassismus, der Homosexuellenfeindlichkeit, allen Rollenbildern und Vorurteilen!

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